Wohnnungspolitik in Österreich ist im Kompetenzbereich des Bundesstaats (Zivilrecht, insb. Mietrecht, Wohnungseigentumsrecht, Wohnungsgemeinnützigkeitsrecht etc. sowie Steuereinhebung) bzw. der Länder (Wohnbauförderung, Raumplanung, Baurecht etc.).

 

Das Wohnungswesen und die Wohnungsmärkte sind von folgenden wohnungspolitischen Rahmen-bedingungen geprägt:

 

Unitäre/integrierte mietwohnungsmärkte

 

In der wohnungswissenschaftlichen Literatur hat sich eine Klassifizierung von Wohnnungspolitik­sys­te­men hinsichtlich ihres Umgangs mit Mietenmärkten etabliert, indem Systeme mit dualen von solchen mit integrierten oder unitären Mietenmärkten unterschieden werden (Kemeny, 1995,  Kemeny et al., 2001). Bei ersterem fokussieren die sozialen Mietwohnungen auf besonders einkommensschwache Haushalte, die Sozialmieten sind sehr niedrig, die Sektoren sind klein, tendieren aber zur Ghettobildung. Bei letzterem sind die sozialen Mietwohnungen für untere und mittlere Einkommensgruppen zugänglich. Sie werden häufig nicht als Sozialwohnungen, sondern, wie in Österreich, als geförderte Wohnungen bezeichnet. Die Mieten liegen unter dem Marktniveau, allerdings nur moderat. Mit dieser Ausrichtung stehen die sozialen Mietwohnungen im Wettbewerb mit den Marktmieten und tragen zu einer integrativen Entwicklung der Wohnversorgung bei. Es wird in der international Literatur debattiert, welches der beiden Systeme geringere Kosten für die öffentliche Hand verursacht. Unter Einbeziehung von sozialen Folgekosten dürften integrative Modelle dualen Mietwohnungssystemen überlegen sein. Das österreichische wohnungspolitische System verursacht öffentliche Kosten von etwa 0.9% des BIP, was unter dem Niveau der meisten EU15 Länder liegt. Der geförderte Sektor beeinflusst aufgrund seiner Ausrichtung und Größe das Preisniveau am privaten Markt erheblich. Dies war ausschlaggebend dafür, dass die österreichischen Ballungsräume vor 2008 keinen Immobilienboom erlebten, im Zuge der Krise aber auch keinen Einbruch.

 

Gemeinnützige Bauvereinigungen (GBV)

 

In ganz Österreich sind zur Zeit 190 gemeinnützige Bauvereinigungen in den Rechtsformen einer Ge-nossenschaft, einer GmbH oder einer AG tätig. Sie verfügen über einen Verwaltungsbestand (Miet- und Eigentumswohnungen) von rund 820.000 Wohnungen, das sind 23% des gesamten Wohnungsbestands in Österreich.

 

Der gemeinnützige Sektors hat eine Neubauleistung von 14.000 bis 16.000 Wohnungeen pro Jahr. Dies ist mehr als die Hälfte des gesamten Neubaus im großvolumigen Bereich. Damit übertrifft der Sektor nicht nur den kommunalen Wohnbau (der seine Neubautätigkeit weitgehend eingestellt hat), sondern auch den kommerziellen großvolumigen Wohnbau (Amann & Mundt, 2009b. Reinprecht, 2007).

 

Der GBV-Sektor bietet breiten Bevölkerungsschichten eine leistbare Wohnversorgung. Trotz einer durchschnittlichen Rendite von nur 3 bis 4% haben sich etliche Bauvereinigungen über die Jahrzehnte hinweg zu finanzstarken Unternehmen entwickelt. Dies hat u.a. Marktmacht am Kapitalmarkt und ent-sprechend günstige Konditionen zur Folge, was der Leistbarkeit der Wohnungen zu Gute kommt. Mit ihrer umfangreichen Wohnungsproduktion tragen sie zur Stabilisierung der Bau- und Bauproduktein-dustrie bei. Die Bedingungen der Wohnbauförderung bewirken eine erhebliche Innovationsorientierung der Unternehmen, beispielsweise hinsichtlich energetischer Standards. Damit leisten die GBV nicht nur einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz innerhalb ihrer eigenen Bestände, sondern wurden Vorbild für alle anderen Gebäudesektoren. In einigen Ländern wird besonderer Wert auf hohe architektonische Qualität gelegt. Zahlreiche Beispiele belegen den maßgeblichen Beitrag der GBV zur Qualitätsanhebung im Bauwesen. Sowohl hinsichtlich der Kosten als auch der Bauqualität beeinflusst der GBV-Sektor den privaten Wohnbau, da beide Sektoren im Wettbewerb um teilweise gleiche Nachfragergruppen stehen. Für weitere Details siehe www.gbv.at.

 

Förderung des Wohnungsneubaus

 

Förderung der Wohnungssanierung